Und was ist mit Gaza?

In: Read the World

Die bemerkenswerte Identifikation mit den Opfern der schrecklichen Tragödie im weit entfernten Haiti unterstreicht nur die Gleichgültigkeit mit dem fortdauernden Leiden der Menschen in Gaza.

Nur weniger als eine Autostunde von den Büroräumen der größten israelischen Tageszeitung entfernt, leben 1,5 Millionen Menschen seit zweieinhalb Jahren unter Belagerung auf einer Wüsteninsel.

Wen kümmert es, daß ganz in unserer Nähe 80 Prozent der Männer, Frauen und Kinder unterhalb der Armutsgrenze existieren? Wieviele Israelis wissen, daß die Hälfte der Bevölkerung in Gaza von Almosen lebt? Daß die Operation “Gegossenes Blei” Hunderte von Amputierten zurückgelassen hat? Daß ungeklärtes Abwasser von den Straßen direkt ins Meer fließt?

Mehr dazu: Israel’s compassion in Haiti can’t hide our ugly face in Gaza von Akiva Eldar (Haaretz)


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About atsil

Ildikó Áts (atsil) is a Germany-born Hungarian author, editor, translator and web designer. She studied languages, literature, philosophy, history, politics and economy as well as TCM in Hungary and Germany. Her focus is on ecology, human rights and FGM. She lives in Bavaria.

2 Responses to “Und was ist mit Gaza?”

  1. Joschi February 2, 2010 at 11:05 am #

    Das ist eine gute Frage – ABER: in Gaza war es nicht eine Naturkatastrophe, die das Elend ausgelöst hat, sondern die gewaltsame Machtübernahme einer Terror-Organisation. Auch wenn es für viele so wirken mag, die Hamas ist ebensowenig eine Naturkatastrophe, wie es die Nazis in Deutschland waren. Das deutsche Volk (und ganz Europa, die ganze Welt) zahlte den Preis für die Regierung, die es nicht verhindert hat – und dem Volk in Gaza, das die Hamas nicht verhindern konnte, geht es leider ebenso. Das ist schrecklich – aber nicht die Schuld Israels.

    Es hatte doch alles so schön begonnen: es gab einen vollständigen Abzug Israels, eine Selbstverwaltung, funktionierende Grenzübergänge nach Ägypten und Israel, Kooperationsabkommen zur Energieversorgung, im Gesundheitswesen, zur Müllabfuhr (bis heute kommt der größte Teil der Lebensmittel für Gaza aus Israel und Teile der Stromversorgung aus Ägypten und Israel und direkt an der Grenze in Israel gibt es ein großes Gesundheitszentrum, das sogar extra für Bewohner aus Gaza errichtet worden war).

    Aber anstatt jetzt endlich einmal etwas AUFZUBAUEN (und die EU-Fördergelder in Millardenhöhe so zu verwenden), setzte Hamas auf Terror und Raketen und Zerstörung.

    Ja, ein Krieg ist schrecklich und der Gaza-Krieg war es auch – aber nach acht Jahren Raketen-Terror musste etwas passieren. Man kann nicht erwarten, dass man permanent sein Nachbarland mit Raketen beschießt und keine Konsequenzen erfolgen – und sich dann noch als das “arme Opfer” der selbstverschuldeten Misere (zumindest mitverschuldet) darzustellen!

  2. Rage February 3, 2010 at 7:54 am #

    Hallo Joschi,

    Mitgefühl hat kein Langzeitgedächtnis. Die Not der Menschen ist immer jetzt. Und darum geht es doch im Artikel von Akiva, nicht? Um die Frage nach dem zweierlei Maß des Mitgefühls der Menschen in Israel. Um das zu reflektieren, müßten sie erstmal hingehen und sich selbst kritisch betrachten: Nämlich inwiefern sie mit dazu beitragen, daß es den Menschen in Gaza so schlecht geht?

    Kennst Du z.B. den Bericht der IDF-Soldatinnen über die alltägliche Gewalttätigkeit an den Kontrollpunkten? Über die Langeweile der Diensthabenden dort, die allein schon sie dazu verleitet, sich Terror-Storys auszudenken oder routinemässig zu verprügeln: Erwachsene und Kinder gleichermaßen?

    Link dazu: Female soldiers break their silence