Peepoo: Einwegtoilette als Dünger

In: Live Green + Clean

Es gibt eine allgemeine Gesundheitskrise: öffentliche Defäkation kann das Trinkwasser vergiften. Jährlich sterben deswegen ungefähr 1,5 Millionen Kinder an Durchfall.

Anders Wilhelmson, Architekt und Professor in Stockholm, ist dabei, einen biologisch abbaubaren Plastikbeutel namens Peepoo zu vermarkten, die als Einwegtoilette für die Slums in den Entwicklungsländern geeignet ist. Einmal benutzt, kann der Beutel zugeknotet und vergraben werden. Eine Schicht aus Harnstoff-Kristallen vernichtet die Krankheitserreger in den Fäkalien und wandelt diese in Dünger um. Nach einer erfolgreichen zwölfmonatigen Testphase in Kenia und in Indien, hat Wilhelmson vor, noch diesen Sommer mit der Massenproduktion des Toilettenbeutels zu beginnen.

Laut Jack Sim, dem Begründer der World Toilet Organization, beträgt der Markt für Niedrigpreis-Toiletten für Entwicklungsländer gut eine Billion Dollar.

Mehr dazu: For Pennies, a Disposable Toilet That Could Help Grow Crops von Sindya N. Bhanoo (New York Times)

Peepoo

Der Peepoo (pat.pend) ist eine Einweg-Toilette, die menschliche Exkremente kurz nach dem Stuhlgang keimfrei macht und dadurch verhindert, daß die nähere und weitere Umgebung verunreinigt bzw. vergiftet wird.

Der Beutel

Der Peepoo (pat.pend) hat die Maße eines länglichen Beutels von 14 x 38 cm. Darin befindet sich ein dünneres Gaze mit den Abmessungen von 26 x 24 cm. Die Innenseite des Peepoo-Beutels ist mit einer dünnen Harnstoff-Schicht beschichtet. Der Peepoo ist leicht zu transportieren und ebenso leicht zu verwenden. Er braucht keinerlei zusätzliche Hilfsmittel, allerdings kann eine aufgeschnittene PET-Flasche den Gebrauch erleichtern.

Nach Verwendung: Dünger

Wenn alle Krankheitserreger wirkungslos geworden sind, also 2-3 Wochen nach Gebrauch, bilden die durch Harnstoff-Kristallen behandelten Fäkalien einen hochwertigen Stickstoff-Dünger von beträchtlichem Wert.  Den zu düngenden Pflanzen stehen auch andere Nährstoffe zur Verfügung, wodurch die Fruchtbarkeit des Bodens erhöht wird. Zusätzlich verbessern die organischen Stoffe die Bodenstruktur und somit seine Fähigkeit, Wasser und Nährstoffe zu speichern. Langfristig fallen hierdurch auch die Ernten insgesamt besser aus.

Da Dünger teuer ist und rares Gut in den Entwicklungsländern, ist es für einfache Öko-Systeme möglich, sich durch das Einsammeln und Verteilen der Peepoo-Beutel, ohne großen Aufwand weiterzuentwickeln.  Somit stellen die Beutel keine Verunreinigung dar, sondern vor Ort erzeugte Hilfsmittel.

Anwendung

Der Peepoo ist eine Toilette, die an keinen besonderen Ort gebunden ist. Er ist aufgrund seiner Größe und seines Gewichts (weniger als 10 Gramm) einfach zu transportieren. Benötigt wird lediglich ein stiller Ort, an den man sich zurückziehen kann, um ihn als Toilette zu benutzen.

Peepoo-Beutel bleiben bis zu 24 Stunden nach Gebrauch geruchsfrei und können deshalb in der unmittelbaren Umgebung gelagert werden.

Peepoo ist eine der wenigen sanitären Lösungen, die ohne Wasser auskommen. Wasser wird lediglich zum Händewaschen benötigt. Dies bedeutet, daß die herkömmliche Abhängigkeit zwischen sanitären Einrichtungen und Wasser beendet wird. Ein benutzter Peepoo-Beutel ist ohne Beschmutzung handhabbar. Sie wird zu Abfall, der nicht riecht und bei dem kein Dreck entsteht, der dann eingesammelt werden müßte.

Fliegende Toiletten

Die Fliegende Toilette hat ihren Namen aus Kibera, einem Stadtteil Nairobis. Er besagt, daß man normale Plastiktüten als Toiletten benutzt und sie nach Gebrauch so weit wie möglich vom Haus auf die Straße oder auf einen Abfall wirft. Diese Fliegenden Toiletten werden oft nur als für den sanitären Gebraucht gekauft und es gibt einen Markt für sie mit unterschiedlichen Größen für Kinder und Erwachsene.

Ihre Verwendung beinhaltet eine Anzahl von Problemen: Sie sind sehr dünn und reissen leicht. Sie stinken. Und wenn sie weggeworfen wurden, dann vergiftet ihr Inhalt  sowohl das Frischwasser (weil verschmutztes Wasser in die beschädigten Wasserleitungen eindringt) als auch das Grundwasser.

Und kostet wieviel?

Der Peepoo-Beutel kann aufgrund seiner Form überall hergestellt werden und zwar zu einem möglichst niedrigen Preis, der auch von Leuten mit der weltweit geringsten Kaufkraft bezahlt werden kann. Gemessen an anderen Herstellungs- und Verwendungsmethoden, ist der Preis für den Endverbraucher wie auch für die Gemeinschaft extrem günstig, da es keinerlei Investitionskosten bei der Verwendung des Peepoo-Beutels gibt.

Der Peepoo-Beutel – ein Quick-Win-Projekt

Der Peepoo-Beutel erfüllt alle Bedingungen für ein sogenanntes Quick-Win-Projekt. Sie kann einfach verteilt und benutzt werden, ganz ohne zusätzliche infrastrukturelle Maßnahmen. Sie bieten die Lösung für eines der weltweit größten Probleme. Sie reduzieren die Verunreinung des Wassers. Und sie können schnell und effizient an Millionen von Menschen verteilt werden, die über keine Toilette verfügen. Außerdem entspricht der Peepoo-Beutel auch den Bedürfnissen der Zielgruppe eines anderen Quick-Win-Projektes, das die verarmten Bauern in der afrikanischen Subsahara mit zusätzlichen und bezahlbaren Bodennährstoffen vorsorgen will.

Willkommen also in der Zukunft von Hunderttausenden von Kindern, die die sanitäre Krise überleben konnten!

by atsil


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About atsil

Ildikó Áts (atsil) is a Germany-born Hungarian author, editor, translator and web designer. She studied languages, literature, philosophy, history, politics and economy as well as TCM in Hungary and Germany. Her focus is on ecology, human rights and FGM. She lives in Bavaria.

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3 Responses to “Peepoo: Einwegtoilette als Dünger”

  1. Wolfgang Schäfer July 8, 2010 at 5:44 pm #

    Prima Sache, aber wo kann ich so etwas schon kaufen. Ich will im Sinai wandern gehen und würde Peepoos gerne mitnehmen. Danke für jeden Hinweis, Wolfgang

  2. atsil July 8, 2010 at 8:15 pm #

    Hallo Wolfgang,

    Peepoo befindet sich derzeit in der Erprobungsphase – so wurde der Peepoo-Beutel in einem Feldversuch und in Zusammenarbeit mit Oxfam auf Haiti getestet – und ist derzeit noch nicht käuflich zu erwerben.

    Als Alternative und Zwischenlösung empfehle ich Dir das Wag-Bag-Kit von The Pett:

    http://www.thepett.co.uk/wag.html

    Bei längeren Trekking-Touren die leichtere und leichter zu transportierende Variante einer transportablen Toilette aus Karton dazu (anstelle der Pett-Toilette aus Kunststoff im Koffer):

    http://www.globetrotter.de/de/shop/detail.php?mod_nr=102107&k_id=1105&hot=0

    Natürlich steht es Dir frei, jeden anderen biologisch abbaubaren Plastikbeutel zu verwenden. Ich persönlich halte die Hygiene-Kits für sehr sinnvoll – wegen des funktionellen Designs und weil alles gleich beieinander ist für die hygienischen Bedürfnisse von Mensch und Umwelt gleichermaßen.

    Gute Reise!

  3. Frank Dahlmann January 27, 2012 at 2:26 pm #

    In der Januar-Ausgabe von brand eins gibt es ebenfalls einen Artikel über Peepoo. Eine einfache Idee, die Leben retten könnte. Der Artikel ist kostenlos auf der Webseite zu lesen: http://goo.gl/GEBOZ
    Schöne Grüße
    Frank Dahlmann
    (brand eins Redaktion)