Ist Vergewaltigung Kulturgut?

In: Support Humanity

Nein! Sexuelle Gewalt ist kein “Kulturgut”

Besucher des Ostkongo hören viele Horrorgeschichten – über Zwangskannibalismus und über das Verbrennen der Bewohner ganzer Dörfer bei lebendigem Leib. Als jedoch Lisa Shannon von der “Run for Congo Women”-Kampagne Verlautbarungen einer europäischen Entwicklungshelferin über die Sicherheitsrisiken für Flüchtlinge hörte, die aus Tanzania zurückkehrten, war sie sehr geschockt:

“Die ausländischen Milizen sind weg,” sagte sie. “Im Moment gibt es nur Vergewaltigungen und Plünderungen. Keine Angriffe.”
Ich war fassungslos und fragte sie: “Für Dich ist Vergewaltigung demnach kein Sicherheitsrisiko?”
“Vergewaltigung ist hierzulande ganz normal,” war ihre Antwort. “Es ist kulturbedingt.”
Das war das erste Mal, daß ich hörte, wie Massenvergewaltigungen im Kongo als “kulturbedingt” abgetan werden, und ich mußte mir das noch sehr oft anhören.”

Mehr dazu: No, Sexual Violence Is Not ‘Cultural’ von Lisa Shannon (New York Times)

Für die Menschen im Westen ist es oft einfacher, Vergewaltigung als festen Bestandteil einer unbekannten Kultur zu akzeptieren, und nicht als ein Kriegsmittel, zu dessen Ächtung man beitragen könnte. Diese Wahrnehmung ist weitverbreitet. Lisa Shannon arbeitet Vollzeit für die Belange von kongolesischen Frauen und findet sich oft in der Situation wieder, einen sehr großen Teil ihrer Energie für die Verteidigung kongolesischer Männer verwenden zu müssen. Dabei geht es hauptsächlich um Statements wie: “Afrikas Stammesrituale der Vergewaltigung” oder “die kulturellen Wurzeln der sexuellen Gewalt im Kongo”.

Für Margot Wallström, der Sonderbeauftragten für sexuelle Gewalt in Konflikten für die Vereinten Nationen, ähnelt solche Denkungsart der “fortwährenden Annahme, daß sexuelle Gewalt Tradition sei und keine taktische Entscheidung.”

Was also können wir dazu beitragen, um diese geistige Haltung zu verändern?

Margot Wallström sagte:

“Heutzutage ist Vergewaltigung ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und als solches muß sie geahndet werden. Wir müssen Tribunale abhalten. Es gibt schon erfolgreiche Beispiele von Verurteilungen, sodaß diese Leute (die Vergewaltiger) angeklagt werden und immer mehr Frauen sich an die Öffentlichkeit wagen. Sie wollen ihre Fälle vor Gericht bringen und der Internationale Strafgerichtshof (ICC) ahndet diese Verbrechen.”

Mehr dazu: We can stop rape as a weapon of war (New Europe)

Gibt es individuellere Möglichkeiten irgendetwas direkt zu bewirken?

Eve Ensler von der V-DAY-Kampagne:

“Die Welt ist einfach noch nicht richtig informiert worden. Keine Weltregierung, kein politischer Führer, keine Körperschaft der Vereinten Nationen könnte sich abwenden, könnte einfach nur dasitzen und nichts tun, wenn sie hören könnten, was ich gehört habe, und sehen, was ich gesehen habe. In 12 Jahren gab es 6 Millionen tote KongolesInnen. 1,4 Millionen Binnenflüchtlinge. Hunderttausende von Frauen und Mädchen, die vergewaltigt und gefoltert wurden. Babys von gerade mal 6 Monaten bis hin zu greisen Frauen im Alter von 80 Jahren – deren Unterleib zerfetzt wurde.”

V-DAY bietet eine große Auswahl an Aktivitäten an, durch die den Frauen im Ostkongo geholfen werden kann. Geht auf ihre Kongo (DRC)-Seite: “Stop Raping our Greatest Resource”

Rabbinerin Shelley Kovar Becker des Temple Sholom in Floral Park, New York, deren Kongregation sich der überkonfessionellen Kampagne Congo Sabbath anschloß:

“Alles ist miteinander verbunden”

Ja, auch wir sind das! Verbunden mit den unzähligen kongolesischen Frauen und Mädchen, die ständig von Vergewaltigung bedroht werden. Und uns ist klar:

Vergewaltigung ist KEIN “Kulturgut”!
Sie ist demütigend, verletzend und oft genug tödlich.

 

Checkt unsere Aktions- und Spendenlinks in der rechten Sidebar! >>

by atsil


Tags: , , , , , , , , , ,

About atsil

Ildikó Áts (atsil) is a Germany-born Hungarian author, editor, translator and web designer. She studied languages, literature, philosophy, history, politics and economy as well as TCM in Hungary and Germany. Her focus is on ecology, human rights and FGM. She lives in Berlin.

Comments are closed.