Vorsicht Mogelpackung

In: Live Green + Clean

Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein, gesellschaftliche Verantwortung: Für viele Verbraucher spielen diese Aspekte eine wichtige Rolle. Das wissen auch die Lebensmittelhersteller – und brüsten sich mit ihrem Engagement für Gesellschaft und Umwelt. Bei genauem Hinsehen kommen jedoch schnell Zweifel: Viele vermeintliche Vorzeigeprojekte sind Mogelpackungen oder reine Marketing-Gags.

Mit einem Joghurt etwas Gutes für die Gesundheit und gleichzeitig auch noch für die Umwelt tun – welcher Verbraucher zahlt da nicht gerne etwas mehr? Das dachten sich wohl auch die Marketing-Manager von Danone. Traditionell bewirbt der Konzern seinen überteuerten Activia-Joghurt mit überzogenen Gesundheitsversprechen. Doch damit nicht genug: Nun soll auch noch der neue Becher aus Maisstärke „umweltfreundlicher“ als der alte sein und „optimal verwertet bzw. recycelt“ werden können.
Umweltschwindel

Dabei entlarvt sogar eine von Danone selbst in Auftrag gegebene Studie des IFEU-Instituts in Heidelberg dieses Werbeversprechen als Täuschung: Insgesamt ist der neue Becher nämlich weder umweltfreundlicher als der alte, noch wird er recycelt. Dennoch präsentiert sich der Lebensmittel- Riese als Vorreiter in Sachen Umweltschutz. Auf abgespeist.de veröffentlichte foodwatch eine Protestaktion gegen dieses „Greenwashing“; mehr als 7.000 Verbraucher beschwerten sich bereits bei Danone. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat das Unternehmen wegen der irreführenden Werbeaussagen verklagt.

Werbeversprechen nicht überprüfbar

Danones „grüngewaschener“ Becher ist ein besonders dreister Fall. Doch mit seinem scheinbaren Engagement für eine bessere Welt steht der Konzern nicht alleine da. Viele Lebensmittelhersteller präsentieren sich – etwa in Hochglanz-CSR-Reports (Corporate Social Responsibility = unternehmerische Verantwortung) – vollmundig als verantwortungsvolle und gesellschaftlich engagierte Unternehmen. Was hinter den Versprechungen steht, ist oftmals kaum nachvollziehbar.

Störche statt Informationen

Wie etwa bei dem Windbeutel-Kandidaten Storck: Der Bonbon-Hersteller behauptet, sich mit seiner „Stork-Foundation“ für Störche zu engagieren. Doch konkrete Zahlen oder Erfolge finden sich nirgends. Die Ernsthaftigkeit des Engagements ist damit für Verbraucher nicht überprüfbar. Mehr noch: Zu dem, was direkt  die Süßwarenproduktion und damit den Geschäftszweck von Storck betrifft, verweigert das Unternehmen die Auskunft – zum Beispiel Informationen über die ökologischen und sozialen Bedingungen beim Anbau von Zucker und Kakao. Genau hier läge jedoch zuallererst die unternehmerische Verantwortung von Storck.

Scheinheiliges Marketing

Konkurrent Ferrero hat sein vorgebliches gesellschaftliches Engagement perfekt in die Marketing-Strategie integriert: Mit prominenten Partnern wie dem Deutschen Fußballbund sponsert der Konzern Sportprojekte für Kinder. Ferrero inszeniert sich so als Unterstützer eines gesunden Lebensstils. Dabei ist der Süßwarenhersteller mitverantwortlich für das zunehmende Übergewicht und ernährungsbedingte Krankheiten bei Kindern. Doch anstatt aufzuhören, zuckrige Produkte wie den Windbeutel-Gewinner Milch-Schnitte wie eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit zu bewerben, beklagt Ferrero vor allem die angeblich mangelnde Bewegung bei Kindern – und zieht sich damit aus der Verantwortung.

Soziales Engagement als Ablenkungsmanöver

Das Beispiel Ferrero zeigt außerdem: Die Lebensmittelindustrie schiebt Sport- und Bewegungsprojekte gerne vor, um den Eindruck zu erwecken, sie engagiere sich bereits ausreichend gegen Übergewicht und ernährungsbedingte Krankheiten. Gleichzeitig blockiert sie mit massiver Lobbyarbeit wirklich wirksame Maßnahmen, wie etwa die Ampelkennzeichnung. Das allerdings taucht in keiner Hochglanz-Broschüre auf.

Dieser Text ist in den foodwatch-Nachrichten 3/2011 erschienen. Die Informationsbroschüre mit aktuellen Themen erscheint vier Mal im Jahr und wird kostenfrei an Mitglieder verschickt. Seien auch Sie dabei und werden Sie Fördermitglied bei foodwatch!


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