Bienen und Hummeln

In: Live Green + Clean

Fleißig wie eine Biene – wie viel Wahres in diesem Sprichwort steckt wird klar, wenn man bedenkt, dass von der Bestäubung durch die kleinen Brummer ein Drittel aller Lebensmittelprodukte abhängig sind. Doch der Lebensraum der Bienen und Tagfalter ist bedroht, ihre Nahrungsgrundlagen werden weniger. Mit dem Ziel 400.000m2 neue Bienenweiden in ganz Europa zu schaffen, hat Nature & More gemeinsam mit dem „Netzwerk Blühende Landschaft“ die Kampagne „Bienen lieben Bio“ gegründet. Im Fokus stehen die Themen Biodiversität und die Rolle der ökologischen Landwirtschaft. Ein Interview mit Holger Loritz, Leiter des Netzwerks Blühende Landschaft.

Holger, warum lieben Bienen Bio?

Zum einen weil in der ökologischen Landwirtschaft keine chemischen Düngemittel und Pestizide eingesetzt werden. Zum anderen und das ist noch viel wichtiger, werden in die vielfältige Fruchtfolge viele Blütenpflanzen, wie zum Beispiel Kleegras und andere Leguminosen, integriert. Die konventionelle Landwirtschaft hingegen setzt auf eintönigen Anbau meist mit Gräsern, die als Nahrung für Bienen und andere wildlebende Blütenbestäuber wertlos sind.

Was sind wildlebende Blütenbestäuber? Und was ist ihre Aufgabe?

Dazu zählen Hummeln, Wildbienen und Schmetterlinge. Auch sie sind, wie die Honigbiene, für die Bestäubung von Pflanzen und damit für die Vielfalt unserer Natur verantwortlich. Viele dieser Arten sind heute in ihren Beständen gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht. Zum Beispiel steht jeweils etwa die Hälfte der Wildbienen sowie der Tagfalter auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Dabei sind sechs bis acht Prozent dieser Arten bereits ausgestorben. Lediglich ein Drittel der Arten gilt als ungefährdet. Hier sieht man deutlich, was das oft allgemein als Verlust von Biodiversität bezeichnete Phänomen real bedeutet.

Wie kommt es, dass diese Insekten heute keine Nahrung mehr finden und was hat das für Auswirkungen?

Die Industrialisierung der Landwirtschaft führt zur Nahrungsarmut der Blütenbestäuber. Schauen Sie sich um auf unseren Feldern. Das einzige was wirklich noch blüht, ist der Raps und das nur für wenige Wochen im Frühjahr, wenn sowieso viele andere Pflanzen blühen. So merkwürdig es vielleicht klingt, auch die Honigbiene braucht eine abwechslungsreiche Ernährung bestehend aus Pollen – sie enthalten hochwertige Eiweiße für die Aufzucht der Bienenlarven – und Nektar. Besonders kritisch ist es von Mitte Juni bis Ende August, wenn die Wiesen kurz gemäht sind und die Obstbaumblüte schon viele Wochen zurückliegt. Zu dieser Zeit entsteht das so genannte „Blütenloch“ oder „Trachtlücke“, wie die Imker sagen. Zu dieser Zeit müssen die meisten Imker zufüttern, oft mit Zuckerwasser, was keinerlei Nährstoffe für die Bienen enthält, jedoch die Bienen soweit am Leben erhält. Pollen hingegen kann man nicht zufüttern, den müssen die Bienen selbst finden können.

Was können wir denn tun?

Eine blühende Landschaft schaffen, in der Mensch und Tier sich wohlfühlen. Wie? Das ist ganz einfach: Ob auf dem Balkon oder im Garten, pflanzen Sie Küchenkräuter wie Rosmarin, Salbei, Oregano, Honigmelisse und Pfefferminze, Blumen wie Astern, Ringelblumen, Malven, Kornblumen, wilde Sonnenblumen und Wicken oder Stauden, wie Fächerblumen, Fetthennen, Hauswurz und Sedum. Die Honigbienen und Wildbestäuber werden es lieben. Wichtig ist, verzichten Sie auf gefüllte Blüten, hochgezüchtete Pflanzen oder Hybridsorten! Denn diese bieten Insekten keine Nahrung mehr. Wenn Sie sich nicht sicher sind, fragen Sie im Fachhandel nach. Auch das Internet bietet viele Informationsmöglichkeiten, z.B. unter www.bluehende-landschaft.de in der Rubrik Handlungsempfehlungen. Oder Sie nehmen einfach die Samenmischung von Nature & More und bepflanzen damit einen Topf, Balkonkasten oder Gartenstück.

Locke ich denn damit nicht auch gleichzeitig Wespen an?

Nein, Wespen mögen kaum Blüten. Sie essen gerne Zucker von Kuchen oder Früchten, aber auch Grillfleisch, weil ihre Larven mit tierischen Eiweißen versorgt werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Holgers Tipps für „Städter“:

-       Balkon, Fenstersims oder Vorgarten bepflanzen – ausschließlich mit torffreier Erde

-       Auf gefüllte Blüten verzichten, lieber mehrjährige Blumen und Stauden anpflanzen

-       Küchenkräuter blühen lassen

-       Natürlich keine chemischen Düngemittel verwenden

-       Insektenhotel für Schmetterlinge, Wildbienen (ohne Stachel) und Marienkäfer (gut gegen Blattläuse) aufstellen

-       Wer mehr tun möchte, kann sich bei der Stadt nach freien Flächen zur Bepflanzung von Bienenweiden erkundigen. Achtung: einfaches Samenverstreuen ohne Bodenbearbeitung bringt meist nichts, die Samen müssen teils mit Boden bedeckt sein und vor Konkurrenz durch andere Pflanzen geschützt werden!

Holgers Tipps für Hobbyimker und die, die es werden wollen

-       Bienenkisten-Imker werden (bestellbar bei Mellifera e.V., inkl. Anleitung)

-       Aufbau im Garten, auf einem großen Balkon oder in der Kleingartenanlage möglich

-       Beim Veterinäramt anmelden

-       Imker finden, der einen Honigbienenschwarm abzugeben hat

-       mit jedem Honigglas das Netzwerk Blühende Landschaft unterstützen und bekannter machen (mit 5 ct-Aufkleber als Zusatzetikett)

Weitere Informationen unter:

Holger Loritz
Netzwerk Blühende Landschaft
Schwendistr. 21
79102 Freiburg (Brsg)
Deutschland
Tel.: 0761-76674617
e-mail: loritz@bluehende-landschaft.de

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