„Das ist unser Land, und wir werden nicht gehen!“

In: Support Humanity

Jahr für Jahr führt der südwestlich an der Grenze zu Paraguay und Bolivien gelegene Bundesstaat Mato Grosso do Sul die traurige Liste von Ermordungen und Todesfällen Indigener in ganz Brasilien an. Umgeben von großen Soja- und Zuckerrohrplantagen sowie Viehfarmen, die der Region ein beachtliches wirtschaftliches Wachstum beschert haben, leben rund 60.000 Guarani-Kaiowá in ländlichen und verarmten Regionen, in denen ihre Existenz von Krankheit und schlechten Lebensbedingungen geprägt ist. Ihre Marginalisierung geht auf Brasiliens Politik der 1930er Jahre zurück, als die Regierung beschloss, weite Gebiete für Siedler zu erschließen, indem sie die Guarani in kleine Reservate drängte.

Die Ausweitung großer Viehfarmen sowie von Industriebetrieben in ländliche Regionen führte zu einem Gerangel um Land, das die Nachkommen der Ureinwohner in die missliche Lage brachte, die Gebiete ihrer Vorfahren zurück erobern zu müssen. So besetzten sie in einigen Fällen die Ländereien nicht-indigener Großgrundbesitzer. Von diesen berufen sich viele wiederum auf die Tatsache, dass sich ihre eigenen Vorfahren bereits vor Jahrzehnten im Rahmen des Kolonialisierungsprogramms dort angesiedelt haben. Die Auseinandersetzungen der beiden Gruppen enden allzu oft gewalttätig – manchmal tragisch für die indigenen Besetzer, die sich meist nur mit Pfeil und Bogen zu helfen wissen.

Der im obenstehenden Video thematisierte Fall des Nísio Gomes beschreibt die Reaktionen seiner Angehörigen auf die bisher ungesühnte Ermordung ihres Anführers. Weil er seine Gemeinschaft auf das Land seiner Vorfahren – jetzt eine private Sojabohnen-Farm – geführt hatte, wurde er von maskierten Fremden brutal hingerichtet, indem sie ihm in Gesicht, Brust, Arme und Beine schossen. Anschließend verschleppten sie seine Leiche an einen unbekannten Ort, so dass er nicht einmal traditionsgemäß auf seinem Heimatboden bestattet werden konnte.

Auch wenn nicht alle Ranchbesitzer zu solch skrupellosen Mitteln greifen und Handlanger anheuern, die die Guarani vertreiben oder gar ermorden, steht die Regierung Brasiliens klar in der Verantwortung. Sie muss die Indigenen vor Enteignung und Vertreibung in einem Klima der Straflosigkeit schützen, indem sie Gewaltverbrechen an ihnen lückenlos aufklärt. Außerdem gilt es, den Ranchern adäquate Entschädigungen für ihren rechtlichen Besitz zu bieten, um die notwendigen Rahmenbedingungen für die Rückgabe traditioneller Guarani-Gebiete zu schaffen.

Mehr Infos im Amnesty-Jahresbericht 2012 über Brasilien

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About Matthias Wahsner

Matthias hat in Bamberg Anglistik, Kommunikationswissenschaft und Europäische Ethnologie studiert. Zur Zeit bringt er in einer Berliner Kommunikationsagentur sein Interesse für Menschenrechtsthemen, Journalismus und Film in gesellschaftspolitische Medienprojekte ein.

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