Wenn der Traum zum Alptraum wird: Immer mehr Flüchtlinge aus Somalia und Eritrea, die nach Israel wollen, stranden auf dem Sinai und leben dort in katastrophalen Verhältnissen. Ein kurzes Gespräch mit Ulrich Delius - Referent für Afrika und Asien bei der Gesellschaft für bedrohte Völker.
Hat Israel ein Problem mit Flüchtlingen aus Afrika?
In den vergangenen Jahren sind viele Flüchtlinge aus Ostafrika, vor allem aus Somalia und Eritrea nach Israel gekommen. Sie bilden dort den Bodensatz der Gesellschaft. In Israel haben sie eine Diskussion ausgelöst, die mit der Metapher vom vollen Boot geführt wird. Viele Israelis fordern neue Gesetze, die eine schnellere Abschiebung möglich machen sollen. Auf der anderen Seite verhindert der Zaun, der in der Vergangenheit gegen die Infiltration durch Terroristen an der Grenze auf dem Sinai gebaut wurde, dass Flüchtlinge es überhaupt noch nach Israel schaffen. Sie stecken im Sinai fest und leben in katastrophalen Bedingungen.
Was macht die Lage so schlimm?
Fast alle Flüchtlinge sind mit Schleppern unterwegs, denen sie schon in Somalia oder Eritrea hohe Summen zahlen. Wenn sie im Sinai festsitzen, werden sie regelrecht von den Banden in Gefangenschaft gesetzt. Angehörige werden erpresst noch mehr Geld zu zahlen. Wenn sie das nicht können, werden die Leute in Ketten zur Arbeit gezwungen. Es kommt sogar dazu, dass den Flüchtlingen Organe entnommen werden. Im Sinai blüht der illegale Organhandel. Es werden immer wieder regelrecht ausgeweidete Leichen im Sinai entdeckt. Die Situation der Menschen ist schrecklich.
Was fordern sie?
Wir fordern einen menschenwürdigen Umgang. Israel muss sich auch dafür interessieren, was hinter dem Zaun passiert. Außerdem fordern wir den Stopp jeder Abschiebung von Flüchtlingen. Somalia ist schlichtweg Kriegsgebiet und Eritrea ist ein besonders trauriger Fall.
Warum?
Eritrea ist ein junger Staat. Nach seiner Gründung setzten viele Menschen große Hoffnungen in das Land. Heute ist es ein kleiner Frankenstein der Menschenrechte. Es missachtet die Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit und sperrt Wehrdienstverweigerer ein. Leute in dieses Land abzuschieben, bedeutet oft: Leute ins Gefängnis abzuschieben.

